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Klar hat uns das Leben geprägt

Veröffentlicht am 12.11.2017

 

 

Orientierungslos 

surreale Kurzgeschichte 

 

Es war ein ganz normaler Tag kurz vor der Adventszeit, als ich durch die Läden schlenderte und ein Geschenk für meinen Vater suchte. Aus den Jahren zuvor wusste ich, dass dies gar kein leichtes Unterfangen war und nahm mir vor, diesmal genau das Richtige für ihn zu finden.
So ging ich von Geschäft zu Geschäft und schaute mir die Auslagen an. „Etwas für einen Mann zu finden war leicht,“ dachte ich “… aber was ist für meinen Papa?“

Zerbrechliches LebenZerbrechliches LebenSeit ich denken kann, war er immer bedacht darauf, für mich das Richtige zu tun, mich zu unterstützen und für mich da zu sein. Tag und Nacht war er für mich da. Darauf konnte ich mich verlassen. Als sich der Abend schon nah zeigte und ich immer noch ratlos Geldbörsen und Sporttaschen in meinen Händen fand, fragte ich eine Verkäuferin, eher aus Spaß.
„Wissen sie nicht, was meinem Vater eine Freude sein könnte?“ Und sie fragte spontan. „Sind sie sicher, dass es ihr Vater ist?“ Wie konnte sie nur!? Ein tiefer Schmerz in meinem Bauch durchfuhr mich, diese Frage traf mich unvermittelt und ich sah die Verkäuferin erschrocken an. Sie lächelte. „Es tut mir leid“, meinte sie verschämt, „das ist mir so rausgerutscht.“

Ich stürmte erzürnt aus dem Laden und fand mich verwirrt auf der Straße wieder. Männer fingen an zu reden. Stimmen trafen mich, obwohl sich keiner der Münder zu bewegen schien.
„Ich bin es nicht! Ich bin es nicht! Du musst weiter suchen!“, hörte ich von allen Seiten.
So durcheinander gebracht, brauchte ich einen Moment, um mich von meiner Verwirrung zu erholen und ging zügig nach Hause. Von dem Moment an war alles, was ich tat, mit einer Unsicherheit belegt. In den kommenden Tagen kam ein Missgeschick nach dem anderen. Ich fluchte über mich selbst und erwischte mich dabei, mein Aussehen mit dem meines Vaters zu vergleichen. Ich hinterfragte die Streitigkeiten meiner Eltern, verglich mich mit meinem Bruder und durchleuchtete seine Beziehung zu ihm und ging meine gesamte Kindheit gedanklich durch. Ich zweifelte!
„Was, wenn mein Vater nicht mein Vater ist? Wer bin ich denn dann?!“ Diese Frage: „Wer bin ich dann?“, machte mich wahnsinnig. Wie konnte ich so etwas fragen, dachte ich. ....... und weiter sagte ich mir 

 

..."Ich bin doch ich!"  

Ein Lachen kam aus einer Ecke meiner Wohnung und ich erschrak. Meine erste Puppe, aus der Kindheit fing an zu lachen. Laut, bitter und anhaltend. „Endlich!“, meinte sie irgendwann. „Du machst dir nichts mehr vor!“ Erstaunt, erstarrt und ungläubig hörte ich dem zu, was dann folgte.
„Angelina, du hast mir schon früh erzählt, dass dein Vater nicht dein Vater ist. Du warst damals noch so klein, dass ich es kaum richtig verstehen konnte. Getröstet habe ich dich, aber ich habe dir deine Fragen nicht beantworten können. Die Antworten hättest du nicht verstanden, dachte ich und du hast dich abgewendet, hast mich nicht mehr angeschaut. Aber nie hast du mich wirklich losgelassen. Lange, lange Zeit bin ich nun schon in deinem Leben, ohne daran teilhaben zu können. Ich bin älter geworden, habe dich sehr vermisst! Ganz tief im Inneren wusste ich, dass wir doch zueinander gehören sollen.“ Sie weinte und sprach betroffen weiter: „Jetzt bist du bei mir, es schmerzt dich und mich so sehr, jetzt brauchst du die Antworten, die dich vielleicht lange beschäftigen sollen und ich bekomme eine Tochter, der ich nie ein Vater sein durfte.

Ein durchdringendes Geräusch erreichte mich. Immer wieder kam es und ließ mich nicht weiter zuhören, bis ich durchnässt und atemlos in meiner Bettdecke klebend die Augen aufschlug und nicht wusste, was mit mir geschehen war.

 

Elke Bischofs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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